Reflexion von Grauzonen
Wie gelingt uns der erste Schritt heraus aus den rechtlichen Grauzonen?
Rechtliche Spannungsfelder
Welche rechtlichen Spannungsfelder begegnen euch im digitalen Alltag?
Methode mit Fallbeispielen
Wie erschließt ihr euch im Team die wichtigsten rechtlichen Grundlagen?
Verankerung im Medienkonzept
Wie verankern wir das komplexe Thema im Medienkonzept?
Reflexion von rechtlichen Grauzonen
Mit Jugendlichen über WhatsApp chatten? Fotos auf der Homepage veröffentlichen? Smartphones kontrollieren oder gar verbieten? Darf ich das überhaupt?
Viele Entscheidungen, die im medienpädagogischen Alltag getroffen werden, sind von einem mulmigen Gefühl begleitet.
Keine Sorge, es geht nicht nur euch so!
Der erste Schritt heraus aus diesen Grauzonen ist, sie offen zu thematisieren und gemeinsam zu besprechen. Wir sollten Dinge nicht im Verborgenen tun aus Angst vor Konsequenzen, sondern gemeinsam im Team überlegen, wie wir einen möglichst sicheren Nutzungsrahmen für digitale Medien herstellen können.
Reflexionsfragen
Um einen Einstieg in das Thema Recht zu finden, könnt ihr in einer offenen Diskussionsrunde im Team oder im Arbeitskreis folgende Fragen stellen:
- Wie reagierst du auf rechtliche Unsicherheiten im Alltag?
- Welche rechtlichen Fragen im Umgang mit Medien beschäftigen dich oder sind bisher unbeantwortet geblieben?
- Welche Kommunikationskanäle und Hilfsangebote stehen dir zur Beantwortung deiner rechtlichen Fragen bereits zur Verfügung oder sind dir bekannt?
Protokolliert die Antworten, denn sie geben wertvolle Hinweise auf Fortbildungsbedarfe und Themen, die ihr in euer Medienkonzept aufnehmen solltet.
Rechtliche Spannungsfelder und ihre Abwägung
Vielleicht ist euch schonmal aufgefallen, dass rechtliche Fragen nicht immer so eindeutig beantwortet werden können, wie wir uns das wünschen. Das liegt daran, dass manche Gesetze nicht so einfach miteinander in Einklang zu bringen sind!
Es gehört zur (medien)pädagogischen Arbeit dazu, diese Spannungsfelder abzuwägen und Kompromisse zu finden.
Im Video „Rechtliches abwägen“ stellen wir euch die wichtigsten Spannungsfelder und den damit verbundenen medienpädagogischen Auftrag ausführlich vor. Eine schriftliche Zusammenfassung der Spannungsfelder findet ihr hier.
Nehmt euch 20 Minuten Zeit für das Video, um euch diesen Themenbereich zu erschließen. Es lohnt sich für die weitere Auseinandersetzung!
Weitere Informationen zum Thema Abwägung findet ihr in diesem Positionspapier des Landschaftsverband Rheinland (insbesondere Kapitel 7) auf dem auch unsere Leitfragen basieren.
Reflexionsfragen
Wie gelingt die Abwägung?
Zunächst solltet ihr im Team/im Arbeitskreis alle Medienregeln oder -verbote sammeln, die ihr in eurer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bereits angewandt habt oder in Zukunft anwenden wollt (z.B. Handyverbote, Handykontrollen, Medienzeiten). Dann geht ihr gemeinsam in die Abwägung, ob diese Maßnahmen eurem medienpädagogischen Auftrag gerecht werden. Dabei helfen euch folgende Leitfragen:
Verfolgt die Maßnahme einen legitimen Zweck?
Legitim sind Maßnahmen, die neue Entwicklungschancen der Kinder hervorbringen und die Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Sanktionen sind kein Zweck, sondern ein Mittel. Sie sind pädagogisch nur vertretbar, wenn sie eine positive Wirkung erwarten lassen.
Ist die Maßnahme geeignet, d.h. erfüllt sie den anvisierten pädagogischen Zweck?
Wurde diejenige Maßnahme gewählt, die am wenigsten in die Rechte der Zielgruppe eingreift?
Ist die Maßnahme angemessen?
Nicht jeder Zweck heiligt die Mittel. Der angestrebte Zweck und die dafür in Kauf genommene Belastung für Kinder und Jugendliche müssen in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen.
Mit Fallbeispielen durch den Rechte-Dschungel
In unserem Podcast „Sicher durch die rechtlichen Grauzonen“ in Kooperation mit unserem Kooperationspartner der AJS NRW werden ein paar typische Szenarien analysiert, die Fachkräften in der medienpädagogischen Arbeit begegnen.
Die Diskussion von Fallbeispielen kann eine hilfreiche Methode sein, um über rechtliche Fragen ins Gespräch zu kommen. Die Anleitung zur Methoden und die Übersicht über die Fallbeispiele haben wir euch als PDF zum Download zusammengefasst.
Wie verankern wir das Thema im Medienkonzept?
Bei rechtlichen Fragestellungen kann man sich im Medienkonzept schnell verzetteln. Wir empfehlen daher, insbesondere gemeinsame Vereinbarungen, Leitsätze, Ansprechpersonen und Links zu weiterführenden Informationen einzubauen, anstatt das gesamte rechtliche Know-How der Medienpädagogik aufzufahren. Das wird erfahrungsgemäß nicht gelesen und Informationen können veralten. Schaut doch für den Anfang in unserer Linksammlung vorbei.
Auch Vorlagen wie z.B. Einverständniserklärungen oder Mediennutzungsverträge können eine hilfreiche Ergänzung im Medienkonzept sein. Insbesondere auf www.mediennutzungsvertrag.de findet ihr eine tolle Vorlage für die Erstellung individueller Mediennutzungsverträge.
Zur Inspiration schaut ihr am besten in die Konzepte unserer Modellgruppen.
Zum Abschluss findet ihr hier Tipps unserer Modellgruppen zum Thema Rechtliches:
BDKJ Köln
Ehrenamtliche agieren ständig in Situationen, in denen die rechtlichen Grundlagen eine Rolle spielen (Gruppenstunden, Ferienfreizeiten, Aktionen usw.). Damit sie sich nicht selbst „gefährden“, ist es notwendig, den rechtlichen Rahmen abzustecken und über die rechtlichen Grundlagen aufzuklären.
Jugendzentren Stadt Wuppertal
Sich darauf zu verlassen, dass es bisher auch immer gut gegangen ist, ist bei dieser Thematik eine besonders heikle Angelegenheit. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Jugenzentren Rhein-Kreis Neuss
Unser Tipp hinsichtlich der rechtlichen Lage: Am Ball bleiben.
Hinsichtlich der Ausarbeitung des Medienkonzeptes: Wichtiges von Unerheblichem differenzieren.
Streetwork Köln
Nur die wichtigsten Paragraphen festhalten, aber keine Sammlung von Gesetzestexten ins Konzept integrieren, sondern vielmehr Fachstellen wie die AJS NRW und deren aktuelle Merkblätter als Orientierung aufführen.