Perspektiven der Medienpädagogik

Was macht Medienpädagogik als Disziplin aus?

Welche fachlichen Perspektiven lassen sich einnehmen?

Dimensionen von Medienkompetenz

Was bedeutet Medienkompetenz?

Welche Dimensionen
umfasst sie?

Medienpädagogische Kompetenz

Was bedeutet medienpädagogische Kompetenz für die pädagogische Praxis?

Verankerung im Medienkonzept

Warum sollten medienpädagogische Grundlagen im Medienkonzept verankert werden?

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Perspektiven der Medienpädagogik

Medienpädagogik ist in ihrer Vielfältigkeit nicht nur eine selbständige Disziplin, sondern auch Teil anderer Wissenschaftsbereiche wie der Erziehungswissenschaft, Bildungswissenschaft, Sozialen Arbeit, Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft oder Kulturellen Bildung, und, und, und…

Aus unterschiedlichen Disziplinen ergeben sich spezifische Handlungsfelder, die sich z.B. eher auf Mediennutzung/Mediengebrauch, Mediengestaltung oder Medieninhalte und Reflexion beziehen können. Unterschiedliche Handlungsfelder führen wiederum zu unterschiedlichen Perspektiven. Bezieht man diese auf die Medienpädagogik, können drei Bereiche unterschieden werden:

Mediendidaktik
bedeutet Lehren und Lernen mit Medien, insbesondere im schulischen Kontext
oder in der Erwachsenenbildung.

Medienbildung
bezieht sich auf den Humanistischen Bildungsbegriff, bei dem Bildung als Auseinandersetzung mit dem Selbst-Welt-Verhältnis gesehen wird. Medienbildung fragt demnach nicht vorrangig danach, welche Kompetenzen in der Aneignung von Medien erworben werden, sondern fokussiert den Prozess dahinter.

Medienerziehung
ist Aufgabe und Zielstellung der Medienpädagogik zugleich. Sie betrachtet das Verhältnis von Heranwachsenden zu Medien, um daraus individuelle, alltagsintegrierte Handlungsempfehlungen zu entwickeln sowie Prävention und Kompensation von Defiziten in der Mediensozialisation zu begleiten.

Unabhängig davon, aus welcher Perspektive oder Teildisziplin Medienpädagogik betrachtet wird, ist Medienkompetenzförderung und -erwerb das angestrebte Ziel.

Reflexionsfragen

Reflektiert gemeinsam im Teamgespräch/im Arbeitskreis:

  • Welche der Perspektiven ist euch in eurer Arbeit bereits begegnet? Habt ihr bereits Angebote dazu gestaltet?
  • Mit welcher Perspektive könnt ihr euch persönlich oder auch als Einrichtung/Träger besonders gut identifizieren?
  • Welchen Mehrwert hat es für eure medienpädagogische Praxis, zwischen diesen drei Perspektiven zu unterscheiden?
  • Inwiefern könnte ein Medienkonzept die unterschiedlichen medienpädagischen Perspektiven berücksichtigen/aufgreifen?

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Dimensionen von Medienkompetenz

Medienkompetenz ist eine der zentralen Kompetenzen, die Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene im digitalen Zeitalter erlernen sollten. Durch neue technische Innovationen sowie die dazugehörigen gesellschaftlichen Diskurse handelt es sich bei dem Erwerb von Medienkompetenz um einen lebenslangen Prozess. In den letzten Jahrzehnten wurden dabei viele Medienkompetenz-Modelle (weiter-)entwickelt, doch das Modell von Dieter Baacke etablierte sich durch den Anschluss an Praxis und Politik sowie die kreative und zugleich kritisch-reflexive Sicht auf Menschen als Mediennutzende als übergeordnetes Ziel in unserer Gesellschaft (vgl. GMK).

Das Medienkompetenz-Modell nach Baacke beinhaltet die vier Dimensionen:

Medienkunde

Medienkunde umfasst das Wissen über vergangene und gegenwärtige Medien und Mediensysteme.

Dabei differenziert Baacke zwischen informativen und instrumentell-qualifikatorischen Unterdimensionen. Ersteres bezieht sich auf klassische Wissensbestände über mediale Entwicklungen. Fragen, die sich darauf beziehen könnten, sind z.B.: Wie arbeiten Journalist*innen? Welche Sozialen Netzwerke gibt es? Welche Computerspiel-Genres gibt es? Was sind Fake News? Wo bekommt man Hilfe, wenn Mediennutzung zu einem Problem wird?

Die instrumentell-qualifikatorische Unterdimension schließt die Nutzungsfähigkeit der Medien ein. Dabei geht es nicht unbedingt darum, auf Anhieb neue Medien bedienen zu können, sondern vielmehr Interesse daran zu zeigen, sich intensiv mit neuen Entwicklungen zu beschäftigen und zu einem späteren Zeitpunkt souverän damit umgehen zu können. Fragestellungen in dieser Unterdimensionen wären daher z.B.: Wie lädt man Apps auf ein Handy oder Computer herunter? Was macht ein sicheres Passwort aus? Wie kann man Nutzer*innen in den Sozialen Medien blockieren? 

Medienkunde

Medienkunde umfasst das Wissen über vergangene und gegenwärtige Medien und Mediensysteme.

Dabei differenziert Baacke zwischen informativen und instrumentell-qualifikatorischen Unterdimensionen. Ersteres bezieht sich auf klassische Wissensbestände über mediale Entwicklungen. Entsprechende Fragestellungen sind z.B.: Wie arbeiten Journalist*innen? Welche Sozialen Netzwerke gibt es? Welche Computerspiel-Genres gibt es? Was sind Fake News? Wo bekommt man Hilfe, wenn Mediennutzung zu einem Problem wird?

Die instrumentell-qualifikatorische Unterdimension schließt die Nutzungsfähigkeit der Medien ein. Dabei geht es nicht unbedingt darum, auf Anhieb neue Medien bedienen zu können, sondern vielmehr Interesse daran zu zeigen, sich intensiv mit neuen Entwicklungen zu beschäftigen und zu einem späteren Zeitpunkt souverän damit umgehen zu können. Fragestellungen in dieser Unterdimensionen wären daher z.B.: Wie lädt man Apps auf ein Handy oder einen Computer herunter? Was macht ein sicheres Passwort aus? Wie kann man Nutzer*innen in den Sozialen Medien blockieren? 

Mediennutzung

Auch die Dimension Mediennutzung lässt sich in zwei Unterdimensionen aufteilen.

Die rezeptiv anwendbare Nutzung umfasst die Rezeptionsfähigkeit, das medial vermittelte aufzuarbeiten. Dazu gehört beispielsweise das Schauen von Fernsehen/Streaming-Diensten oder das Lesen eines Buches. Die Kommunikation erfolgt hier einseitig, das heißt man sieht oder liest etwas, ohne den Produzent*innen unmittelbar Rückmeldung geben zu können.

Die interaktiv handelnde Unterdimension beinhaltet dagegen Medienangebote, auf die man direkt reagieren und mit den Anbieter*innen kommunizieren kann. Möglich ist dies zum Beispiel mit Kommentaren oder dem „Daumen hoch/runter“ bei YouTube-Videos. Live-Chats oder Webinare sind ebenfalls interaktiv.

Medienkritik

Im Rahmen der Dimension Medienkritik sollen vorhandenes Wissen und Erfahrungswerte immer wieder, bestenfalls in dreifacher Weise, reflektiert werden. Dies soll bewirken, dass wir mediale Entwicklungen nicht kritiklos hinnehmen. Man unterscheidet zwischen der analytischen und reflexiven Unterdimension. 

Die analytische Unterdimension bezieht sich auf das Erfassen gesellschaftlicher Prozesse und die Analyse ebendieser. Dadurch wird Aufschluss über mediale Zusammenhänge geliefert, wie z.B. Wissen über das Rundfunksystem oder der Einfluss privater Sender auf Programminhalte. Reflexionsfragen können dabei z.B. sein, ob man weiß, dass Instagram und WhatsApp zu Facebook gehören oder ob private Fernsehsender und die meisten Sozialen Netzwerke über Werbung finanziert werden.

Daneben steht die reflexive Unterdimension, die das Individuum in den Fokus stellt, indem es sich und sein eigenes Handeln hinterfragt.

Zusammen ergeben die beiden die ethische Unterdimension. Anhand reflexiver und analytischer Vorgänge soll ein gewisses Verständnis entwickelt werden, um mit Medien sozial verantwortlich zu handeln. So sollte man sich z.B. Fragen, ob man alles, was in den Medien geschieht, als moralisch vertretbar empfindet, und wenn nein, was einerseits daran störend ist und andererseits, was man dagegen tun kann.

Mediengestaltung

Mediale Entwicklungen, sowohl inhaltlich als auch technisch,  lassen sich aktiv in den Prozess der Gestaltung und damit in die Dimension der Mediengestaltung einbringen.

Die innovative Unterdimension beinhaltet dabei die Veränderungen des Mediensystems innerhalb einer bereits etablierten Logik. Die Erfindung des Smartphones oder von Facebook zählen sicherlich zu den größten Innovationen in der Medienwelt. Aber auch ohne viele Vorkenntnisse können Medien innovativ gestaltet werden, indem man sich z.B. einen neuen Tanz für TikTok, ein neues Meme oder eine Challenge ausdenkt.

Die kreative Unterdimension umfasst darüber hinaus die  ästhetische Weiterentwicklung sowie weitere Gestaltungsmöglichkeiten von Medien. Dazu gehört z.B. Fotos zu schießen, Instagram-Storys zu bearbeiten, Videos zu drehen und zu schneiden oder einen eigenen Podcast aufzunehmen. Medienkompetenz bedeutet hier auch, dass dabei Persönlichkeitsrechte, Urheber- und Nutzungsrechte beachtet werden.

Reflexionsfragen

Reflektiert gemeinsam im Teamgespräch/im Arbeitskreis:

  • Welche Dimension von Medienkompetenz haltet ihr bei euch persönlich für besonders ausgeprägt? Wo ergänzt ihr euch im Team dabei?
  • Welche Dimension von Medienkompetenz seht ihr bei Kindern und Jugendlichen als besonders ausgeprägt? Welche weniger?
  • Welche der Dimensionen habt ihr bereits in euren Angeboten berücksichtigt? Wo besteht weiterhin der größte Handlungsbedarf?
  • Was bräuchte es, damit ihr in eurer Arbeit eine ganzheitliche Medienpädagogik umsetzen könnt, die alle vier Dimensionen von Medienkompetenz fördert?
  • Welchen Schwerpunkt würdet ihr wählen, wenn ihr eine Dimension auswählen müsstet?

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Medienpädagogische Kompetenz

Ein medienpädagogisches Angebot für Kinder und Jugendliche auf die Beine zu stellen, bedarf einer guten Medienkompetenz. Ergänzend sind jedoch auch Fähigkeiten organisatorischer und pädagogischer Natur von Bedeutung. Dieses Bündel an Qualifikationen kann unter dem Begriff medienpädagogische Kompetenz zusammengefasst werden (vgl. Siller, Tillmann, Zorn 2020).

Medienpädagogische Kompetenz ist eine der vier Dimensionen medienpädagogischer Ressourcen, die wir im Rahmen unserer Analyse der Jugendförderung NRW zum Thema Digitalisierung untersucht haben. Medienpädagogische Kompetenz beinhaltet laut dieser unter anderem folgende Aspekte (vgl. Tillmann/Zorn 2020):

  • Medienkompetenz in all ihren Dimensionen, z.B. nach Baacke
  • Kompetenz, sich in einer mediatisierten Gesellschaft zu orientieren
    und ihre Auswirkungen auf Kultur und Soziales zu verstehen
  • Kenntnis über die Auswirkungen der mediatisierten Gesellschaft
    auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen
  • Kompetenz, Medien und Technologien zur Verbesserung von
    Arbeitsprozessen im beruflichen Alltag einzusetzen
  • Kenntnis über Methoden zur Förderung von Medienkompetenz und
    die Gestaltung von hierfür geeigneten Bildungsräumen
  • Kompetenz, den organisatorischen Rahmen für medienpädagogische
    Angebote zu schaffen

Reflexionsfragen

Reflektiert gemeinsam im Teamgespräch/im Arbeitskreis:

  • In welchem Teilbereich von medienpädagogischer Kompetenz fühlt ihr euch persönlich schon fit? Wo ergänzt ihr euch im Team dabei?
  • In welchen Situationen habt ihr schon mal bemerkt, dass euch medienpädagogische Kompetenz fehlt, ohne dass ihr es genau benennen konntet?
  • Was bräuchte es, damit ihr euch in eurer medienpädagogischen Kompetenz aktiv weiterentwickeln könnt?

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Wie verankern wir das Thema im Medienkonzept?

Die “Aha”-Momente, die ihr vielleicht beim Lesen dieser kurzen medienpädagogischen Einführung hattet, haben auch Leser*innen, die euer Medienkonzept lesen und umsetzen möchten. Daher empfehlen wir, am Anfang eures Konzepts diese wichtigen Grundlagen aufzunehmen. So gewährleistet ihr, dass sich alle Lesenden auf einem Stand befinden. Auch wenn rein theoretische Einheiten im Konzept anfangs erst einmal erschlagend wirken können, sind diese durchaus hilfreich im weiteren Verlauf eurer medienpädagogischen Karriere. Eine solche Zusammenfassung hilft euch, wenn ihr euer Wissen auffrischen möchtet, wenn ihr Anträge schreibt und Projektziele formulieren müsst – oder  auch, wenn ihr euch in Verhandlungen mit Leitungsebenen begebt und eure medienpädagogischen Bedarfe theoretisch untermauern möchtet.

Zur Inspiration schaut ihr am besten auch in die Konzepte unserer Modellgruppen.

Quellen

Baacke, D. (2001): Medienkompetenz als pädagogisches Konzept. In: Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) (Hrsg.): Medienkompetenz in Theorie und Praxis. Broschüre im Rahmen des Projekts „Mediageneration – kompetent in die Medienzukunft (gefördert durch das BMFSFJ). https://dieter-baacke-preis.de/ueber-den-preis/was-ist-medienkompetenz/

Jörissen, B. (2013): Medienbildung in 5 Sätzen. https://joerissen.name/medienbildung/medienbildung-in-5-satzen/

Siller, F. / Tillmann, A. / Zorn, I. (2020). Medienkompetenz Und medienpädagogische Kompetenz in der Sozialen Arbeit. In: Kutscher, N. / Ley, T./ Seelmeyer, U. / Siller, F./ Tillmann, A. / Zorn, I. (Hrsg.): Handbuch Digitalisierung und Soziale Arbeit, S. 315-333. Weinheim: Beltz

Tulodziecki, G. (2011): Zur Entstehung Und Entwicklung Zentraler Begriffe Bei Der pädagogischen Auseinandersetzung Mit Medien. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie Und Praxis Der Medienbildung 20 (Medienbildung – Medienkompetenz). S. 11-39.

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