Lebenswelten verstehen

Was sind Lebenswelten?

Was bedeutet Lebensweltorientierung?

Lebenswelten & Medienpädagogik

Wie gelingt Lebensweltorientierung in der Medienpädagogik?

Methodische Annäherung

Wie nähern wir uns auch unter Einsatz von Methoden den digitalen Lebenswelten?

Verankerung im Medienkonzept

Wie wir das Thema im Medienkonzept verankert und strukturiert?

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Was bedeutet Lebensweltorientierung?

Wir holen die Zielgruppe da ab, wo sie steht!
Nicht die Jugendlichen kommen zu uns, sondern wir zu ihnen!

Diese und ähnliche Aussagen sind euch sicher schon einmal begegnet. Sie berühren das Konzept der Lebensweltorientierung. Lebenswelten sind geprägt durch „ethnische, materielle, politische, soziale und kulturelle Bedingungen“ (Grundwald/Thiersch, 2018). Die Lebensweltorientierung fokussiert, wie ein gelingender Alltag unter diesen Bedingungen gestaltet werden kann und betrachtet “schwieriges Verhalten” als Bewältigungsstrategie. Pädagog*innen und Sozialarbeiter*innen verstehen sich dabei als “Mandant*innen” ihrer Zielgruppe: Sie versuchen, ihre individuelle Lebenslage zu verstehen und passende Angebote zu gestalten. Das Ziel ist die Befähigung, sich in der eigenen Lebenslage zurechtzufinden.

Klingt erstmal abstrakt, ist es aber gar nicht – denn wenn eure Zielgruppe hauptsächlich auf Instagram unterwegs ist, würdet ihr wohl kaum einen Facebook-Workshop anbieten, oder?

Im Video gibt das Jugendhilfe-Navi euch einen Überblick zum Thema Lebensweltenorientierung.

Reflexionsfragen zum Video

Kommt im Teamgespräch/im Arbeitskreis zu folgenden Fragen ins Gespräch:

In welchen spezifischen Lebenslagen befinden sich eure Zielgruppen?

Welche Beispiele für Lebensweltorientierung finden sich in eurem konkreten Arbeitsalltag?

Welche Rolle spiegeln digitalen Medien in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen?

Inwiefern berücksichtigt ihr bereits Medienkompetenzförderung als wichtigen Baustein einer gelingenden Lebensweltorientierung? Wo seht ihr Verbesserungspotenzial?

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Lebensweltorientierung in der Medienpädagogik

Lebensweltorientierung bedeutet auch auf die Orte zu schauen, die sich im Digitalen abspielen, ob im schulischen Kontext, im Privat- oder Freizeitbereich. In der Medienpädagogik beleuchten wir aber nicht nur die digitalen Lebenswelten als solche, sondern auch, inwiefern Kinder und Jugendliche daran partizipieren können. Dabei heben wir immer wieder hervor:

Teilhabe und Lebensweltorientierung gehen Hand in Hand! 

Durch gezielte Medienkompetenzförderung kann die Teilhabe an digitalen Lebenswelten verbessert werden. Außerdem erreichen wir gezielten Kinder- und Jugendschutz, wenn wir wissen, welche Risiken unserer Zielgruppe in ihren digitalen Lebenswelten begegnen.

Hierzu müssen wir aber herausfinden, womit sich die Kinder und Jugendlichen in ihren digitalen Lebenswelten überhaupt beschäftigen und wo sie sich am liebsten aufhalten. Dafür müsst ihr nicht selbst der nächste TikTok-Star werden, aber ein Mindestmaß an Wissen über den digitalen Raum ist wichtig, um der pädagogischen Verantwortung gerecht zu werden.

Wie ihr selbst zu wirklichen Expert*innen der digitalen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen werdet, erklären wir im Podcast gemeinsam mit Kymon, dem LebensWeltenWanderer.

Reflexionsfragen zum Podcast

Besprecht gemeinsam im Team/Arbeitskreis folgende Fragen:

Wie erschließt ihr euch (neue) digitale Lebenswelten? Wo liegen die Herausforderung?

Welches Potenzial seht ihr für eure Arbeit darin, das Konzept der Sozialraumorientierung mit der Lebensweltorientierung miteinander in Verbindung zu bringen?

Was benötigt ihr im Team oder persönlich als Fachkraft, um professionelle digitale Sozialraumanalysen durchführen zu können?

In welchem Zusammenhang steht die Auseinandersetzung mit digitalen Lebenswelten mit einer professionellen pädagogischen Haltung?

Liegt bereits ein Schutzkonzept vor? Wenn ja, welche Schnittstellen zum Medienkonzept könnt ihr erkennen?

Welche Ressourcen und Fähigkeiten bringen eure Zielgruppen aus dem digitalen Raum mit?

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Wie nähert ihr euch digitalen Lebenswelten?

Komfortzone verlassen

Unsere Erfahrung hat gezeigt: Wer sich aus seiner Komfortzone heraus traut und einfach mal etwas Neues ausprobiert, versteht viel besser, was das ein oder andere Angebot so attraktiv für Jugendliche macht! Warum also nicht einfach mal Fortnite spielen oder TikTok installieren?

Komfortzone verlassen

Unsere Erfahrung hat gezeigt: Wer sich aus seiner Komfortzone heraus traut und einfach mal etwas Neues ausprobiert, versteht viel besser, was das ein oder andere Angebot so attraktiv für Jugendliche macht! Warum also nicht einfach mal Fortnite spielen oder TikTok installieren?

Nachfragen

Fragt eure Zielgruppen ganz unvoreingenommen, was sie z.B. gerade spielen oder über welches Video sie gerade lachen. Junge Menschen fühlen sich gerne als Expert*innen ihrer Kultur und haben Spaß daran, sie euch zu zeigen. 

Im Bereich „Beteiligung“ findet ihr zahlreiche Methoden, mit denen ihr die Befragung eurer Zielgruppe abwechslungsreich gestalten könnt.

Studienlage im Blick behalten

Ihr möchtet euch auf wissenschaftlicher Ebene mit Mediennutzung beschäftigen? Hier findet ihr ein paar niedrigschwellige Studien zu dem Thema.

Workshops und Projekte gestalten

Wenn ihr die Zeit findet, nutzt gerne die Möglichkeit, kreative und präventive Workshops zu gestalten oder extern anzufragen. Die machen nicht nur Spaß, sondern vermitteln ganz nebenbei Medienkompetenz.

Im Video How To: Tipps für präventive  Medienarbeit (s.u.) erklärt euch das Jugendhilfe-Navi, wie ihr spannende medienpädagogische Präventiv-Workshops gestaltet und wo ihr Materialien findet.

Inspiration für kreative Medienarbeit findet ihr in dazu gehörigen Medienkonzept-Baustein. 

Methodenbox

Zur Annäherung an die Lebenswelten eurer Zielgruppen haben wir euch einige Methoden zusammengestellt, die ihr in eurem Team/Arbeitskreis oder in anderen Workshops durchführen könnt:

Lebensweltorientierung als Rollenspiel

Repräsentation in den Medien

Schätzungsweise

Social Media App-Check

Das süchtigmachendste Spiel

Lebenswelten erforschen

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Wie verankern wir das Thema im Medienkonzept?

Wer lebensweltorientiert arbeiten möchte, darf sich nicht auf alten Mustern ausruhen, sondern muss sich immer wieder folgende Punkte bewusst machen (die auch ins Medienkonzept gehören):

    • Institutionskritik: Pflegen wir ein gesundes Maß an Skepsis gegenüber unseren Methoden, um nicht an der Lebenswelt vorbei zu agieren?
    • Professionskritik: Haben wir Raum für Selbstkritk und Selbstreflektion, um unser Bemächtigungspotenzial nicht zu missbrauchen?
    • Interesse am Individuum: Gelingt uns ein aufrichtiger, positiver, respektvoller Umgang mit Interesse an den Kompetenzen des Individuums?

Um diesen Aspekten gerecht zu werden, empfehlen wir euch nach Fertigstellung des Medienkonzeptes einen Medien-Arbeitskreis aufrechtzuerhalten, der sich in einem festgelegten Turnus (z.B. jährlich oder alle zwei Jahre) mit den Inhalten beschäftigt und sie aktualisiert. Aber: Erklärt im Medienkonzept nicht immer wieder jeden neuen Trend im Detail! Beschreibt lieber eure Haltung zur Lebensweltorientierung, aktuelle Fortbildungsbedarfe und konkrete kreative und präventive Methoden. Die Medienpädagogik hält bereits viele präventive Methoden und Angebote bereit, die eure Zielgruppen vor allem auch vor den Gefahren und Herausforderungen der Digitalisierung schützen. In eurem Medienkonzept solltet ihr einen Methodenpool bezüglich verschiedener Risikobereiche als auch Interventionspläne, z.B. im Fall von Cybermobbing, anlegen. 

Zur Inspiration schaut ihr auch nochmal in die Konzepte unserer Modellgruppen.

Zum Abschluss findet ihr hier Tipps unserer Modellgruppen zum Thema Lebensweltorientierung und Teilhabe:

Mediencooperative Steinfurt

Die Lebensweltorientierung ist ein grundlegender Ansatz für alle Maßnahmen und Strukturen, die konzeptionell erarbeitet und festgehalten werden. Nur dadurch können Angebote geschaffen werden, die alltgsnah und gewinnbringend für die jeweiligen Zielgruppen sind.

Cultra

Wie sollten wir Jugendlichen begegnen, wenn wir uns vor ihrer Lebensrealität und ihrer Lebenswelt verschließen? Wir sind aufgefordert über vielerlei Wege auf einem aktuellen Stand der Entwicklung zu sein und durch dieses Wissen auch über angepasste Wege mit unserer Zielgruppe zu interagieren.

Jugendkunstschulen

Neugierig bleiben und mit Jugendlichen über ihre Lebenswelten ins Gespräch kommen. Zusätzlich über Dozent*innen als Mittler Informationen über die Lebenswelt bekommen. Cringe sind wir sowieso, aber wir können Achtsamkeit im Umgang mit Medien vermitteln.

Mediencooperative Steinfurt

Unsere Arbeit besteht darin, die Zielgruppe an ihrem Standpunkt abzuholen. Das impliziert, dass wir uns mit ihren Lebenswelten beschäftigen bzw. auseinandersetzen und diese als Chance für unsere Arbeit und als Zugang zur Zielgruppe begreifen.

Quellen

Grundwald, K./ Thiersch, H. (2018): Lebensweltorientierung. In: Graßhoff, G. / Renker, A. / Schröer, W. (Hrsg): Soziale Arbeit. Eine elementare Einführung, S. 303-315. Wiesbaden: Springer VS