Auf Kurs bleiben mit eurem Medienkonzept
Seit bereits fünf Jahren unterstützen wir in Conceptopia die Akteur*innen der Kinder- und Jugendhilfe auf ihrem Weg zum Medienkonzept. Aber auch wir befinden uns stets auf dem Weg unsere Angebote zu verbessern und zu erweitern. Daher haben wir im Rahmen unserer Förderung durch die SozialstiftungNRW erstmalig Chance ergriffen, alte Prozesse zu evaluieren und noch nachhaltiger zu gestalten.
Ziel dieser Wirkungsanalyse war es, herauszufinden, ob und wie die Umsetzung von Medienkonzepten in der Praxis gelingt und welche Erfahrungen die pädagogischen Fachkräfte diesbezüglich weitergeben möchten.
Als Ergebnis veröffentlichen wir Tipps zur Implementierung von Medienkonzepten – auf dieser Seite und kompakt als Broschüre zum Download.
Unsere Tipps
Das Konzept ist fertig – Wie leben wir es?
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1. Einführung in das Medienkonzept steuern
Die Veröffentlichung des Medienkonzepts gilt es bewusst zu gestalten – ein einfaches Verschicken per Mail reicht nicht aus. Ein entscheidender Schritt ist es, die Gesamtheit aller Mitarbeitenden abzuholen, die mit dem Medienkonzept arbeiten werden. Um hierbei starke Dissonanzen zu vermeiden, lohnt es sich, bereits vor der Fertigstellung des Konzepts ein Feedback von Kolleg*innen einzuholen, die nicht am Entwicklungsprozess beteiligt waren. Zur Einführung ist es hilfreich, das Medienkonzept im Rahmen von Schulungen, Workshops oder Fachtagen vorzustellen. Dabei sollte vor allem die Reflexion der erarbeiteten Haltung und der gemeinsamen Leitlinie im Vordergrund stehen. Die Haltung sollte stets individuelles Handeln zulassen – und ob das Medienkonzept hierfür eine gute Grundlage bietet, lässt sich am besten während einer gemeinsamen Veranstaltung diskutieren. Außerdem haben die von uns befragten Träger gute Erfahrungen damit gemacht, das Medienkonzept in Einstellungsgespräche oder Onboarding-Prozesse zu integrieren.
2. Verfügbarkeit sicherstellen
Das Medienkonzept sollte für alle Mitarbeitenden leicht zugänglich sein. Wie genau die Träger diese Verfügbarkeit gestalten, ist individuell. Möglichkeiten bieten Plattformen wie z.B. Padlet, Moodle oder intern genutzte Datenbanken. Auch eine Veröffentlichung auf der Homepage des Trägers kann ein schnelles Auffinden erleichtern. Ziel sollte es aber immer sein, dass das Medienkonzept nicht nur als Nachschlagewerk dient, sondern die Fachkräfte die Inhalte weitestgehend verinnerlichen
3. Über Weiterentwicklungen informieren
Es wird nicht selten vorkommen, dass Inhalte des Medienkonzepts aktualisiert werden müssen oder digitale/mediale Entwicklungen die Perspektive auf die Inhalte verändern. Diese Veränderungen gilt es in regelmäßigen Abständen zu kommunizieren, z.B. über monatliche Newsletter, E-Mails, Teamkonferenzen etc. So bleiben die Mitarbeitenden up-to-date.
4. Zeitliche Ressourcen gewährleisten
Alle von uns befragten Träger haben den Mangel an zeitlichen Ressourcen als größtes Hindernis für die nachhaltige Implementierung von Medienkonzepten beklagt. Die Alltagsintegration des Medienkonzepts ist dadurch maßgeblich erschwert. Dies ist aber auch davon abhängig, wie hoch die Ziele im Medienkonzept gesteckt wurden und wie umfangreich die geplanten Maßnahmen sind. Daher gilt es, die Inhalte des Medienkonzepts nicht alle auf einmal, sondern Schritt für Schritt einzuführen, Ressourcen realistisch zu betrachten und die Mitarbeitenden dabei nicht zu überfordern. Für einen der von uns befragten Träger erwies es sich als beste Lösung, eine dedizierte Stelle für Medienpädagogik/Medienarbeit zu schaffen. Dies ist aber nicht für alle Träger möglich. Mindestens sollten Hilfestellungen wie ein Methodenpool/-koffer erarbeitet werden, um die Umsetzung zu erleichtern.
5. Neue Kooperationen schaffen
Was nicht allein geschafft werden kann, lässt sich über Kooperationen ermöglichen. Neue Kooperationen im Bereich Medienpädagogik, z.B. mit Medienzentren, Vereinen oder Freiberufler*innen schaffen wertvolle Synergien, geben neue Impulse oder erleichtern die Technik-Beschaffung.
Wie halten wir das Medienkonzept aktuell?
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1. Verantwortlichkeiten und Netzwerke
Es ist lohnenswert, im Zuge der Medienkonzept-Entwicklung die Rolle von Medienbeauftragten zu definieren. Oftmals sind dies im weiteren Verlauf Personen, die am Arbeitskreis zur Medienkonzept-Entwicklung beteiligt waren – oder der Arbeitskreis wird fortgeführt und übernimmt die Aufgabe, Updates, Infos oder Hilfestellungen aufzubereiten. Hierfür sollten wie schon erwähnt genügend zeitliche Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Medienbeauftragten können auch zuständig für die Netzwerkarbeit sein, die als Schlüssel für die Weiterentwicklung des Medienkonzepts empfunden wird.
2. Partizipation
Ebenso wichtig ist es, im Blick zu behalten, welche Themen die Kinder und Jugendlichen aktuell bewegen und welche neuen Chancen oder Risiken entstehen. Die fortlaufende Partizipation der Zielgruppen ist hierfür unentbehrlich! In unserer Broschüre Beteiligung an Konzeptprozessen haben wir viele Methoden gesammelt, welche die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen am Medienkonzept unterstützen. Ergänzend kann die Studienlage, etwa die JIM-Studie, herangezogen werden, um das aktuelle Mediennutzungsverhalten der Zielgruppen aufzugreifen.
3. Feste Austauschformate
Das Medienkonzept bleibt aktuell, wenn auch Sorgen und Kritik daran ihren Platz haben dürfen und es hierfür geeignete Austauschformate gibt. Aber natürlich sollen auch Fortschritte und Erfolge regelmäßig Wertschätzung erfahren. Austauschformate können kleine Fachtage, Workshops oder Fortbildungen sein. Wichtig für die Formate ist die gute Mischung aus Praxis, Diskussion und einem Überblick über aktuelle medienpädagogische Themen. Die Formate sollten in einer gewissen Regelmäßigkeit stattfinden, z.B. einmal jährlich. Neue Erkenntnisse sollten immer ins Medienkonzept zurückgeführt werden.
4. Check-Ups von Medienpädagog*innen
Erfahrene Medienpädagog*innen können das Medienkonzept regelmäßig auf Aktualität prüfen und wertvolle Impulse geben. Hierfür sollte ein Budget eingeplant werden, genauso wie für Fortbildungen und externe Begleitung, falls sie benötigt wird. Wir gehen davon aus, dass in Zukunft vermehrt KI-Tools als Inspirationsquelle und Formulierungshilfe für das Medienkonzept genutzt werden. Wir appellieren aber daran, die Ergebnisse dabei immer kritisch zu prüfen und gegenzuchecken.
Fazit: Auf Kurs bleiben mit eurem Medienkonzept
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Gelebte Haltung und sichtbare Präsenz im Alltag
David Thorausch // Bauspielplatz Friedenspark // Jugendzentren Köln gGmbH
Regelmäßige Reflexion und Aktualisierung
Andreas Bendt // Leitung Kinder- und Jugendarbeit/-schutz // Jugendamt Rhein-Kreis Neuss
Gutes Onboarding für neue Mitarbeitende
„Der Onboardingprozess hat sich definitiv verändert. Das klingt nach nichts, ist aber sehr viel. Weil es eine Basis bekommen hat und das ist das Wichtige, die gab es vorher nicht verschriftlicht.”
Marietheres Waschk // Fachberatung Jugend/Bildungsreferentin // Jugendzentren Köln gGmbH
Medienpädagogische Netzwerke aufbauen
Andreas Bendt // Leitung Kinder- und Jugendarbeit/-schutz // Jugendamt Rhein-Kreis Neuss
Medienpädagogische Ansprechpersonen im Team
„Wir haben seit diesem Jahr eine Mitarbeiterin, die hauptsächlich mit ihren Stunden in der Medienpädagogik beschäftigt ist. Um sich dem Thema umfangreicher widmen zu können, war es unerlässlich, dass dies außerhalb von Schichtzeiten und dem stationären Gruppendienst passiert. Daher haben wir speziell diese Stelle geschaffen.”
Sharon Soest // Pädagogische Leitung // Jugendhilfe Olsberg
Ressourcen realistisch planen und flexibel sein
„Das war auch eine Idee unserer Medienpädagogin: Ganz ehrlich, das ist so viel Zeit, die wir den Mitarbeitenden mit dem Medienführerschein an zusätzlicher Arbeit zumuten, was im Alltag schwer umzusetzen ist. Pro Kind liegt man dabei locker bei ca. 45 Minuten. Das ist eigentlich utopisch. Deswegen müssen wir jetzt etwas ausarbeiten, was für die Kinder z.B. in einem Video schnell und leicht anzuschauen ist.”
Sharon Soest // Pädagogische Leitung // Jugendhilfe Olsberg
Methodik der Wirkungsanalyse
Im Rahmen der Wirkungsanalyse wurde zunächst eine quantitative Umfrage erstellt und an die ehemaligen Modellgruppen des Projekts Conceptopia sowie an eine Einrichtung aus dem Bereich der Erziehungshilfe versendet. Die Ergebnisse der quantitativen Umfrage waren hilfreich, um im zweiten Schritt Interviewfragen zu konzipieren. Insgesamt sechs Fachkräfte wurden dann zu qualitativen Interviews eingeladen, um detailliert über die Arbeitserfahrungen mit dem Medienkonzept zu sprechen. Die reflektierten Medienkonzepte sind zum Evaluationszeitpunkt circa zwei Jahre alt.
Aus den Interviews haben wir nach Analyse und Clusterung der Antworten die zwei relevantesten Fragestellungen abgeleitet und ein abschließendes Fazit gezogen. Wir haben die Evaluation an wissenschaftlichen Methoden orientiert, es handelt sich jedoch nicht um eine wissenschaftliche Studie. Daher haben wir die Zitate unserer Interviewpartner*innen im Sinne der Lesbarkeit minimal vereinfacht und/oder gekürzt.
Danke an unsere Interviewpartner*innen
Jugendzentren Köln gGmbH
Marietheres Waschk
Fachberatung Jugend/Bildungsreferentin
Daniel Heimbach
Jugendzentrum.digital
David Thorausch
Bauspielplatz Friedenspark
Jugendamt Rhein-Kreis Neuss
Andreas Bendt
Leitung Kinder- und Jugendarbeit/-schutz
Katrin Herbst
Mitarbeiterin Kinder- und Jugendarbeit/-schutz
Jugendhilfe Olsberg
Sharon Soest
Pädagogische Leitung
